Medienkonferenz zum Welt-Sepsis-Tag 2025
Medienkonferenz zum Welt-Sepsis-Tag 2025
Zum Welt-Sepsis-Tag 2025 sind Vertreterinnen und Vertreter des Swiss Sepsis Program vor Schweizer Medien aufgetreten. Sie präsentierten erstmals den Swiss Sepsis Report mit aktuellen Zahlen zu Sepsis-Fällen, Todesfällen und Kosten in der Schweiz. Zwei Betroffene erzählten von ihrem ganz persönlichen, tragischen Sepsis-Schicksal und gaben den Zahlen damit ein Gesicht.
Jedes Jahr erhalten rund 20’000 Menschen in der Schweiz im Spital eine Sepsis-Diagnose, rund 4’000 von ihnen sterben daran. Die Sepsis-Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein (Stilles Sterben in Spitälern, SRF/RTS am 11.09.2025). Diese Erkenntnisse stammen aus dem Swiss Sepsis Report, der zum Welt-Sepsis-Tag 2025 zum ersten Mal erschienen ist.
Wie Herzinfarkt und Schlaganfall
«Sepsis bewegt sich in derselben Grössenordnung wie Herzinfarkt und Schlaganfall; die sind aber weitaus besser bekannt», sagt die Intensivmedizinerin und Programmleiterin Nora Lüthi, Erstautorin des Reports. «Sepsis ist auch in der Schweiz eine unterschätzte, konstante Gefahr für Gesundheit und Leben der Menschen», unterstreicht sie.
Immense Kosten
Der Sepsis Report hat die gestiegenen jährlichen direkten Spitalkosten der Sepsis auf inzwischen über eine Milliarde Schweizer Franken berechnet. Wenn man Folgen berücksichtigt, dürften die Kosten rund 2 Milliarden Schweizer Franken betragen.
Von «immensen Kosten» für Patientinnen, Patienten, Familien und Gesundheitswesen spricht der Intensivmediziner und Programmleiter Luregn Schlapbach. Mit dem Swiss Sepsis Program sollen diese reduziert werden. Es handelt sich um einen international wie national gut koordinierten Ansatz



Sie sprechen für das Swiss Sepsis Program: Peter Suter, Sylvain Meylan, Luregn Schlapbach, Nora Lüthi, Jennifer Epifanio und Lilian Robert. (Bilder: David Bienert)
Breites Wissen ist nötig
«Sepsis beginnt meist zu Hause», berichtet Schlapbach, weshalb ein breiteres Wissen über Sepsis nötig sei. Das Programm soll aber auch die Schulung der Fachpersonen verbessern. Sylvain Meylan, Leiter eines Arbeitspakets, ergänzt, dass ein «Empowerment» der Spitäler nötig ist. Dabei kann das Sepsis-Programm auf Erfahrungen am Waadtländer Universitätsspital (CHUV) und auf eine divers zusammengestellte nationale Gruppe von Expertinnen und Experten aufbauen.
«Damit andere nicht dasselbe erleben»
«Ich erzähle unsere Geschichte heute hier, weil ich möchte, dass andere Familien nicht dasselbe Schicksal erleben müssen wie wir», erklärt Jennifer Epifanio, die Mutter eines mit 14 Jahren an Sepsis verstorbenen Jungen. Und: «Bevor wir unseren Sohn durch Sepsis verloren, hatten wir noch nicht von Sepsis gehört». Lilian Robert hat dreimal eine Sepsis überlebt. «Das Überleben ist ein grosses Glück, aber auch eine riesige tägliche Herausforderung», berichtet sie: «Alle Menschen in der Schweiz sollen wissen, was eine Sepsis anrichten kann».
«Wir können vieles besser machen»
«Wir können vieles noch besser machen», ist das Fazit des ehemaligen Intensivmediziners Peter Suter vom Steuergremium des Sepsis Programms. Er lädt dazu ein, die Swiss Sepsis Declaration zu unterschreiben. Sie steht für das gemeinsame Engagement gegen Sepsis in der Schweiz.
Ausgewählte Medienbeiträge
Die Ärzte hatten Vera (8) aufgegeben – dann zogen sie einen letzten Joker
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Das stille Sterben in Spitälern wegen Blutvergiftungen
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«Gefahr wird unterschätzt»: jährlich sterben 4000 an einer Sepsis
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