Verein macht sich stark gegen Sepsis und für Betroffene
Der neue Verein «Sepsis Schweiz» setzt sich dafür ein, dass Sepsis breiter bekannt, früher erkannt und besser behandelt wird. Betroffene möchten mit dem Verein für mehr Vernetzung und direkte Hilfe sorgen.
Der Verein ist aus der Betroffenen- und Familiengruppe des Swiss Sepsis Program (SSP) hervorgegangen. In einem Video zum Welt-Sepsis-Tag 2026 appellieren Vereinsmitglieder, bei kritischen Situationen nach einer Infektion an Sepsis zu denken und so Leben zu schützen und zu retten. Sepsis ist eine unterschätzte Gefahr für die Gesundheit auch in der Schweiz.
Von Sepsis Betroffene und Angehörige haben in Bern den Verein «Sepsis Schweiz» gegründet. Er ist aus der Betroffenen- und Familiengruppe hervorgegangen, die das SSP begleitet und berät. Ziel des Vereins ist es, so viele Menschen wie möglich auf die Gefahren der Krankheit hinzuweisen und aufzuzeigen, wie sie Sepsis frühzeitig erkennen können. Auch für eine bessere Behandlung und Unterstützung von Sepsis-Betroffenen setzt sich der Verein ein. Als Erstes will er Betroffenen und ihren Angehörigen niederschwellige Möglichkeiten für den Austausch sowie die gegenseitige Beratung und Unterstützung bieten.
Eine unterschätzte Gefahr
Sepsis ist eine Überreaktion des Körpers auf eine Infektion. Es handelt sich um eine unterschätzte Gefahr für die Gesundheit, auch in der Schweiz. In Schweizer Spitälern werden jedes Jahr 20 000 Sepsis-Fälle erfasst. 4 000 Betroffene sterben daran. Damit liegt die Zahl der Sepsis-Fälle allein in Spitälern in einer ähnlichen Grössenordnung wie bei Herzinfarkt oder Schlaganfall; die Zahl der Todesfälle ist vergleichbar mit jener von Brust-, Darm- und Prostatakrebs zusammen.
Sepsis ist immer ein Notfall
Zur Vereinsgründung treten Mitglieder in einem Video in den sozialen Medien auf. Darin appellieren sie mit der eigenen Geschichte an alle, die Gefahr von Sepsis ernst zu nehmen und im Zweifelsfall rasch zu handeln (zum Video). «Sepsis ist immer ein medizinischer Notfall», sagt Vereinspräsident und Betroffener Anton Löffel. «Bei Verdacht gilt es, rasch medizinische Hilfe zu holen. Dafür sollte sich niemand schämen, und Hemmungen sind fehl am Platz.» Wenn jemand sich nach einer Infektion so krank und schwach wie noch nie fühle, müsse rasch professionelle Hilfe geholt werden. «An Sepsis zu denken, heisst, Leben zu retten», betont er. Wer sich im Zuge einer Infektion mit Symptomen unsicher fühlt, kann neu auf den Sepsis-Check des Swiss Sepsis Program (SSP) im Internet zurückgreifen (Infomaterial).
Die Vizepräsidentin des Vereins, Lilian Robert, weiss als Betroffene, dass das Leben nach einer Sepsis schwer sein kann. «Zur Erleichterung, überlebt zu haben, kommen sehr viele Schwierigkeiten und Hürden», sagt sie. Sepsis kann zu körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen führen, dauerhafte Organschäden anrichten und Amputationen nötig machen. «Diese Folgen stehen kaum im Fokus herkömmlicher Therapien; viele Betroffene müssen sich ihre Unterstützung mühsam selbst zusammensuchen», sagt sie.
Reise auf Beinprothesen, live auf Instagram
Ein weiteres Vorstandsmitglied des Vereins ist Roger van Klaveren. Ihm mussten nach einer Sepsis beide Unterschenkel amputiert werden. Auf seinen zwei Prothesen hat er eine über 1700 Kilometer lange Reise von Basel bis nach Gran Canaria unternommen. Die restliche Strecke hat er mit Zug, Bus und Fähre zurückgelegt. Am Welt-Sepsis-Tag tritt er in einer öffentlichen Liveschaltung auf Instagram auf, wenn er am Zielpunkt auf der Atlantik-Insel angekommen ist (Instagram-Kanal des Swiss Sepsis Program, 13. September, 17.30 Uhr).
Auch Medizin muss lernen
«Wir begrüssen, dass sich Betroffene und ihre Angehörigen so stark dafür einsetzen, dass Sepsis breiter bekannt, früher erkannt und besser behandelt wird», sagt Luregn Schlapbach, Intensivmediziner und einer der Leiter des Programms. «Die Erfahrungen von Betroffenen liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wo die Versorgung bei Sepsis weiter verbessert werden kann.» Schlapbach und sein Team am Universitäts-Kinderspital Zürich behandeln immer wieder Kinder mit schwerem Organversagen als Folge der Sepsis. Sepsis kann alle treffen. Neben Neugeborenen und Kindern sind auch ältere Menschen über 65 Jahren und solche mit geschwächtem Immunsystem besonders von Sepsis bedroht.
Das SSP führt zum Welt-Sepsis-Tag verschiedene Aktionen durch und unterstützt zahlreiche Events (Welt-Sepsis-Tag am 13. September). Die Swiss Sepsis Declaration, welche zum gemeinsamen Einsatz gegen Sepsis aufruft, ist inzwischen von mehr als 200 Personen unterschrieben worden (Swiss Sepsis Declaration).