Die wichtigsten Antworten
Sepsis ist eine komplexe, oft schwer zu erkennende Erkrankung, die aber lebensbedrohlich sein kann. Tritt sie ein, handelt sich immer um einen medizinischen Notfall. Hier finden Sie Antworten zu den wichtigsten Fragen dazu.
Was ist Sepsis? Ist das eine Blutvergiftung?
Sepsis ist ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Sie entsteht, wenn die Abwehrreaktion des Körpers auf eine Infektion ausser Kontrolle gerät und dabei eigenes Gewebe sowie lebenswichtige Organe schädigt. Umgangssprachlich wird Sepsis oft als „Blutvergiftung“ bezeichnet – medizinisch ist das jedoch nicht korrekt. Es handelt sich nicht um eine Vergiftung des Blutes, sondern um eine lebensbedrohliche, fehlgesteuerte und überschiessende Abwehrreaktion des Körpers auf eine Infektion. Am häufigsten sind Bakterien verantwortlich, es können aber auch Viren und andere Keime eine Sepsis verursachen. Häufige Ursachen einer Sepsis sind Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen oder schwere Infektionen im Bauchraum.
Dabei gerät das Immunsystem ausser Kontrolle und schädigt nicht nur die Erreger, sondern auch das eigene Gewebe und die Organe. Wird Sepsis nicht frühzeitig erkannt und sofort behandelt, kann sie rasch zu Organversagen und einem septischen Schock führen (gefährliche Unterversorgung von Gewebe und Organen mit Blut und Sauerstoff) – mit Folgen wie dem Verlust von Gliedmassen oder sogar dem Tod. Wie bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zählt jede Minute.
Ist Sepsis eine neue Krankheit oder eine «Volkskrankheit»?
Nein, Sepsis ist keine neue Krankheit. Früher wurde sie umgangssprachlich als «Blutvergiftung» bezeichnet. Heute weiss man, dass es sich dabei um eine lebensbedrohliche, überschiessende Reaktion des Körpers auf eine Infektion handelt, die mit Organschädigungen einhergeht. Sepsis gilt heute als medizinischer Notfall und erfordert sofortiges Handeln. Weltweit zählt sie zu den führenden Todesursachen im Zusammenhang mit Infektionen. In der Schweiz werden jedes Jahr rund 20 000 Menschen aufgrund einer Sepsis hospitalisiert. Ein Teil dieser Fälle könnte durch frühzeitiges Erkennen und rasches Behandeln vermieden werden.
Wie viele Menschen sterben an Sepsis pro Jahr in der Schweiz?
In der Schweiz erkrankt im Durchschnitt alle 25 Minuten ein Mensch an Sepsis. Etwa alle zweieinhalb Stunden stirbt jemand daran, das entspricht jährlich rund 20 000 Hospitalisationen und 4 000 Todesfällen. Damit liegt die Zahl der Hospitalisationen bei Sepsis in einer ähnlichen Grössenordnung wie bei Herzinfarkt (ca. 19 000 pro Jahr) oder Schlaganfall (ca. 22 000 pro Jahr). Die Zahl der Todesfälle ist dagegen vergleichbar mit der Summe der jährlichen Todesopfer von Darm-, Brust- und Prostatakrebs. Ebenso alarmierend ist: Die Dunkelziffer aller Sepsis-Fälle dürfte deutlich höher liegen. Viele Fälle werden nicht als Sepsis erkannt oder nicht entsprechend dokumentiert. Erkrankungen, die ausserhalb des Spitals behandelt werden, fliessen zudem nicht in diese Statistiken ein.
Warum ist Sepsis trotz ihrer Häufigkeit so wenig bekannt?
Sepsis betrifft nicht nur ein Organ, sondern den ganzen Körper. Sie kann sehr unterschiedlich verlaufen und beginnt oft mit Beschwerden, die auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen – zum Beispiel Fieber, Schüttelfrost, schneller Puls oder Atemnot. Deshalb wird sie leicht übersehen oder mit einer Grippe, Lungenentzündung oder einem Magen-Darm-Infekt verwechselt. Hinzu kommt: Über Sepsis wird in der Öffentlichkeit wenig gesprochen, und der Begriff taucht oft nicht einmal in Arztgesprächen oder Entlassungsberichten auf. In der Schweiz gibt es bisher auch keine gezielten Aufklärungskampagnen oder einheitliche Erfassung der Fälle in einem zentralen Register. Dadurch wissen viele Menschen gar nicht, wie häufig und gefährlich Sepsis tatsächlich ist.
Kann Sepsis ausgerottet werden?
Sepsis kann nicht vollständig ausgerottet werden, da sie durch viele verschiedene Infektionen entsteht und eine Reaktion des eigenen Körpers darauf darstellt. Wichtig ist, Infektionen zu verhindern, Sepsis früh zu erkennen und schnell zu behandeln. So lassen sich Sepsis- und Todesfälle deutlich reduzieren.
Wie erkenne ich eine Sepsis? Kann ein Laie sie erkennen?
Sepsis ist oft schwer zu erkennen, da ihre Symptome denen anderer, häufig auftretender Erkrankungen ähneln. Dennoch ist es wichtig, bei einer bestehenden Infektion oder nach einer Verletzung auf typische Warnzeichen zu achten. Auch Laien können eine Sepsis erkennen, wenn sie diese Symptome kennen.
Häufig beginnt es zunächst mit Beschwerden, die zu einer gewöhnlichen Infektion wie einer Grippe gehören. Im Fall einer Sepsis treten dann Beschwerden hinzu, die durch eingeschränkte Organfunktionen verursachen werden. Am häufigsten sind Atmung, Kreislauf und Nervensystem betroffen.
Zu den wichtigsten Warnzeichen gehören:
- Verwirrung, Desorientierung oder Benommenheit
- Hohes Fieber oder eine ungewöhnlich niedrige Körpertemperatur
- Frösteln und Schüttelfrost
- Schneller Puls oder Herzrasen
- Schnelle Atmung, Atemnot oder Kurzatmigkeit
- Ungewöhnlich starkes, nie da gewesenes Krankheitsgefühl oder ausgeprägte Schwäche
- Schmerzen oder starkes Unwohlsein
- Verminderte Urinausscheidung
- Blasse, marmorierte, fleckige oder bläuliche Haut
Wenn eines oder mehrere dieser Symptome im Zusammenhang mit einer Infektion auftreten, sollte umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer Sepsis ist entscheidend, um schwere Komplikationen, Organversagen oder einen septischen Schock zu verhindern.
Muss ich meinen Arzt oder meine Ärztin auf Sepsis ansprechen?
Es ist nötig und korrekt, bei einer Infektion oder plötzlich auftretenden schweren, ungewöhnlichen Symptomen den Arzt oder die Ärztin direkt auf Sepsis anzusprechen. Sepsis kann schnell lebensbedrohlich werden, und oft wird sie nicht sofort erkannt. Wenn Sie typische Warnzeichen bemerken, wie hohes Fieber, schnelle Atmung, Verwirrtheit oder ungewöhnliche Schwäche, sollten Sie dies klar kommunizieren, damit die medizinische Betreuung schnell und gezielt erfolgen kann.
Wie wird eine Sepsis diagnostiziert – und warum wird sie oft spät erkannt?
Häufig beginnt es zunächst mit Beschwerden, die zu einer gewöhnlichen Infektion wie einer Grippe gehören. Im Fall einer Sepsis treten dann Beschwerden hinzu, die durch eingeschränkte Organfunktionen versursacht werden. Am häufigsten sind Atmung, Kreislauf und Nervensystem betroffen.
Die Diagnose einer Sepsis erfolgt anhand einer Kombination aus klinischen Symptomen und Laboruntersuchungen, da es keinen einzelnen Test gibt, der eine Sepsis eindeutig bestätigt. Das medizinische Fachpersonal achtet auf zentrale Warnzeichen wie Fieber oder Untertemperatur, erhöhten Puls, tiefen Blutdruck, schnelle Atmung, Verwirrtheit oder Schläfrigkeit.
Zusätzlich werden Blut-, Urin- oder andere Proben entnommen, um die Infektion zu identifizieren. Bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder andere Scans können eingesetzt werden, um die Infektionsquelle zu finden oder zu bestätigen. Besteht der Verdacht auf Sepsis, wird sofort mit einer Antibiotikatherapie begonnen – noch bevor alle Untersuchungsergebnisse vorliegen, da jede Stunde zählt. Sepsis wird dennoch häufig spät erkannt. Der Grund: Die ersten Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, schnelle Atmung oder Verwirrtheit ähneln denen vieler anderer, weniger gefährlicher Erkrankungen. Dadurch wird sie anfangs leicht übersehen. Erschwerend ist zudem, dass sich der Zustand innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern kann. Was morgens noch wie eine harmlose Infektion erscheint, kann sich am selben Tag zu einer lebensbedrohlichen Situation entwickeln.
Was kann ich tun, um mich vor Sepsis zu schützen?
Jeder und jede kann viel tun, um sich und die Nächsten vor Sepsis zu schützen. Hier eine kurze Übersicht, wie Sie sich vor Sepsis schützen können:
- Über die Gefahr von Sepsis und ihre typischen Warnzeichen reden, andere informieren und auf die Informationen im Internet hinweisen
- Infektionen frühzeitig erkennen und behandeln lassen
Wunden sauber halten und bei Anzeichen einer Infektion sofort zum Arzt gehen - Impfungen auf dem aktuellen Stand halten (z. B. gegen Grippe, Pneumokokken, COVID-19) Hygiene beachten, besonders Händewaschen
- Chronische Erkrankungen gut kontrollieren
- Nach Operationen oder invasiven Eingriffen aufmerksam auf Symptome achten
- Bei Infektionen und ungewohnten Beschwerden die Warnsignale beachten und nötigenfalls rasch Hilfe holen.
Frühes Handeln ist entscheidend, um eine Sepsis zu verhindern oder rechtzeitig zu behandeln.
Was kann ich tun, wenn ich Verdacht auf Sepsis habe?
Wenn Sie den Verdacht auf Sepsis haben, handeln Sie bitte sofort:
- Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe auf oder rufen Sie den Notruf.
- Beschreiben Sie klar Ihre Symptome, insbesondere plötzliche Verschlechterung, Fieber, schnelle Atmung, Verwirrtheit, ausgeprägte Schwäche, in bisher nie bekanntes Schmerz- oder Krankheitsgefühl.
- Sprechen Sie die Gefahr von Sepsis ausdrücklich an.
- Warten Sie nicht ab! Sepsis kann sich sehr schnell verschlimmern.
Schnelles Handeln kann Leben retten!
Was kann ich tun gegen Sepsis, wenn ich eine Wunde habe?
Im Falle einer Wunde können Sie Folgendes tun, um eine Sepsis zu verhindern:
- Halten Sie die Wunde sauber, desinfizieren Sie und bedecken Sie sie mit einem sterilen Verband.
- Wechseln Sie den Verband regelmässig und achten Sie auf Anzeichen einer Infektion (Rötung, Schwellung, Eiter, Schmerz).
- Vermeiden Sie das Berühren der Wunde mit ungewaschenen Händen.
- Suchen Sie bei ersten Anzeichen einer Infektion sofort einen Arzt oder eine Ärztin auf.
- Lassen Sie sich gegebenenfalls impfen, z. B. gegen Tetanus.
So können Sie das Risiko einer Infektion und damit einer Sepsis deutlich verringern.
Was kann ich tun gegen Sepsis, wenn ich eine Grippe habe?
Im Falle einer Grippe können Sie Folgendes tun, um eine Sepsis zu verhindern:
- Beobachten Sie Ihre Symptome genau und achten Sie auf plötzliche Verschlechterungen.
- Suchen Sie bei hohem Fieber, schneller Atmung, Herzrasen, starker Schwäche oder Verwirrtheit sofort ärztliche Hilfe.
- Nehmen Sie die Grippe ernst und ruhen Sie sich aus, um Ihr Immunsystem zu unterstützen.
- Vermeiden Sie den Kontakt zu anderen, um weitere Infektionen zu verhindern.
- Halten Sie sich an die Empfehlungen Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin, z. B. bei der Einnahme von Medikamenten.
Frühes Erkennen und Behandeln von Komplikationen ist entscheidend, um eine Sepsis zu verhindern.
Was kann ich tun gegen Sepsis, wenn ich Fieber habe?
Im Falle von Fieber können Sie Folgendes tun, um eine Sepsis zu verhindern:
- Fieber und Begleitsymptome genau beobachten.
- Bei hohem oder anhaltendem Fieber, schneller Atmung, Herzrasen, Verwirrtheit oder starker Schwäche sofort ärztliche Hilfe suchen.
- Viel trinken und sich schonen, um den Körper zu unterstützen.
- Nicht zögern, bei Verschlechterung der Symptome den Notarzt zu rufen.
- Frühe Abklärung und Behandlung sind wichtig, um eine Sepsis zu verhindern.
Was kann ich tun gegen Sepsis, wenn es einer angehörigen Person nicht gut geht?
Wenn es einer Angehörigen Person nicht gut geht und die Vermutung bzw. die Gefahr einer Sepsis besteht, sollten Sie schnell handeln:
- Achten Sie auf Warnzeichen wie hohes Fieber, schnelle Atmung, Verwirrtheit, starke Schwäche oder blasse Haut.
- Fordern Sie die Person auf, sofort ärztliche Hilfe zu suchen, oder rufen Sie selbst den Notruf.
- Bleiben Sie bei der Person, bis Hilfe eintrifft, und versuchen Sie, Ruhe zu bewahren.
- Informieren Sie den behandelnden Arzt über Ihre Beobachtungen und Verdacht.
Schnelles Handeln kann Leben retten.
Für wen besteht das Risiko einer Sepsis? Wie gefährlich ist sie?
Eine Sepsis kann grundsätzlich jeden treffen – auch junge und zuvor gesunde Menschen. Meist entsteht sie aus einer zunächst normalen Infektion, zum Beispiel einer Lungenentzündung, Harnwegsinfektion oder Wundinfektion. Entscheidend ist, wie schnell sie erkannt und behandelt wird.
Bestimmte Personengruppen haben jedoch ein erhöhtes Risiko:
- Ältere Menschen (ab 65 Jahren)
- Säuglinge und Kleinkinder
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel während einer Chemotherapie oder bei Autoimmunerkrankungen sowie bei unbehandelter HIV-Infektion
- Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Nierenerkrankungen oder Herzinsuffizienz
- Patientinnen und Patienten im Spital, insbesondere nach grossen Operationen, mit Kathetern oder unter mechanischer Beatmung
- Menschen mit schweren Verletzungen, Verbrennungen oder offenen Wunden
Ältere Menschen sind besonders gefährdet, da das Immunsystem im Alter schwächer wird und Vorerkrankungen häufiger sind. Zudem zeigen sie oft unspezifische Symptome wie Verwirrtheit oder Schwäche, was die Erkennung erschwert.
Kinder, insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, sind ebenfalls anfälliger, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Frühe Warnzeichen können schnelle Atmung, blasse Haut, Trinkschwäche oder ungewöhnliches Verhalten sein.
Sepsis ist immer eine ernste Erkrankung. Sie kann sich rasch verschlechtern und zu Organversagen, septischem Schock und Tod führen. Wie gefährlich sie im Einzelfall ist, hängt vom Verlauf und vor allem von der Schnelligkeit der Behandlung ab. Wird Sepsis früh erkannt und konsequent behandelt, sind die Heilungschancen deutlich besser.
Deshalb gilt: Jede Sepsis ist potenziell lebensbedrohlich und erfordert sofortige medizinische Abklärung.
Ist Sepsis ansteckend?
Nein, Sepsis ist nicht ansteckend. Sie entsteht durch eine Infektion im eigenen Körper, bei der das Immunsystem überreagiert. Die Erreger, die eine Infektion auslösen können (Bakterien, Viren, Pilze), können in manchen Fällen hingegen ansteckend sein, z.B. bei Grippe oder bestimmten bakteriellen Infektionen. Aber die Sepsis als Zustand, also die lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion, wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Ist Sepsis eine Folge von zu starken medizinischen Eingriffen und von zu hohem Medikamentenkonsum?
Nein. Sepsis entsteht nicht direkt durch zu starke medizinische Eingriffe oder den Gebrauch von Medikamenten. Sie ist die Folge einer Infektion, bei der das Immunsystem ausser Kontrolle gerät und eine lebensbedrohliche Entzündungsreaktion auslöst. Alles, was das Infektionsrisiko erhöht oder das Immunsystem schwächt, kann auch das Risiko für eine Sepsis steigern.
Dazu gehören zum Beispiel grössere Operationen und Wunden, Katheter, künstliche Beatmung, aber auch chronische Erkrankungen, Krebs sowie gewisse Therapien wie eine Chemotherapie oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Wir können uns schützen, indem wir Infektionen – besonders bei gefährdeten Personen – verhindern. Dazu gehören gute Hygienemassnahmen, wirksame Impfungen und die konsequente, frühzeitige Behandlung von chronischen Erkrankungen und Infektionen.
Wie wird eine Sepsis behandelt?
Sepsis ist ein medizinischer Notfall und die Behandlung sollte so früh wie möglich beginnen. Zu den wichtigsten Massnahmen gehören:
- Antibiotika: Antibiotika (und je nach Verdachtsdiagnose auch andere antimikrobielle Therapien) werden in der Regel so schnell wie möglich verabreicht, um eine Infektion mit Bakterien (oder anderen Erregern) zu bekämpfen. Die Therapie wird häufig gestartet, noch bevor Laborergebnisse vorliegen. Antibiotika werden im weiteren Verlauf je nach Erreger und
Reaktionen angepasst. - Flüssigkeit (Infusion): Intravenöse (IV) Flüssigkeiten werden verabreicht, um den Blutdruck aufrechtzuerhalten und einen ausreichenden Blutfluss zu den lebenswichtigen Organen zu gewährleisten.
- Vasopressoren: Wenn Flüssigkeit allein nicht ausreicht, um den Blutdruck zu stabilisieren, können Medikamente, sogenannte Vasopressoren, eingesetzt werden, um die Blutgefässe zu verengen und den Blutfluss zu verbessern.
- Sauerstofftherapie und Atemunterstützung: Wenn die Atmung beeinträchtigt ist, kann zusätzlicher Sauerstoff oder mechanische Beatmung erforderlich sein.
- Chirurgischer Eingriff: In einigen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um die Infektionsquelle zu beseitigen, z. B. durch Ableitung eines Abszesses oder Entfernung von infiziertem Gewebe.
- Unterstützung lebenswichtiger Organe: Bei Nierenversagen kann dies kann eine Dialyse (Blutwäsche) sein oder auch Medikamente zur Unterstützung der Herzfunktion oder anderer betroffener Organe umfassen.
Muss man auf Sepsis immer mit Antibiotika reagieren?
Ja, bei Verdacht auf Sepsis sind Antibiotika die wichtigste Behandlung, um eine mögliche, zugrunde liegende Infektion zu bekämpfen. Je früher die Antibiotikatherapie beginnt, desto besser sind die Chancen, die Sepsis zu kontrollieren und Komplikationen zu vermeiden. Neben Antibiotika können weitere Massnahmen wie Flüssigkeitszufuhr, Unterstützung der Organfunktionen und gegebenenfalls intensivmedizinische Betreuung notwendig sein. Eine Antibiotika-Behandlung sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Es kann aber sein, dass Viren als Ursache der Sepsis gefunden werden. Viren sprechen nicht auf Antibiotika an, in solchen Situationen wird die Antibiotika-Therapie wieder beendet, sobald eine bakterielle Ursache ausgeschlossen ist.
Sind Empfehlungen zur Behandlung von Sepsis nicht ein Widerspruch zu den Empfehlungen gegen Antibiotika-Resistenz?
Nein, die Behandlung von Sepsis mit Antibiotika und der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika zur Vermeidung von Resistenzen stehen nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich: Bei Verdacht auf Sepsis ist eine schnelle Antibiotikatherapie lebenswichtig, denn jede Verzögerung erhöht das Risiko für schwere Komplikationen oder Tod.
Gleichzeitig wird durch Diagnostik (z. Bsp. durch Blutkulturen) versucht, eine möglichst gezielte Antibiotika-Therapie einzusetzen, und unnötige Breitspektrum-Antibiotika zu vermeiden. Die Empfehlungen zur Vermeidung von Antibiotika-Resistenz zielen darauf ab, Antibiotika nur dann zu verwenden, wenn sie wirklich nötig sind und sie so kurz wie möglich einzusetzen.
Sepsis stellt eine akute Gefahr dar, bei der die sofortige Behandlung Priorität hat, während Antibiotikaresistenz vor allem durch Über- und Fehlgebrauch in anderen Situationen entsteht.
Bei Sepsis rettet die richtige Antibiotikatherapie Leben, und gleichzeitig ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika wichtig, um Resistenzentwicklung zu verhindern.
Was sind die Langzeitfolgen einer Sepsis?
Das Überleben einer Sepsis kann zu einer Reihe von langfristigen körperlichen und
psychischen Auswirkungen führen, die oft als Post-Sepsis-Syndrom (PSS) bezeichnet werden.
Dazu gehören:
- Chronische Müdigkeit und Muskelschwäche
- Reduzierte physische Belastbarkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten oder Gedächtnisprobleme (oft als «Gehirnnebel» bezeichnet)
- Angstzustände, Depressionen oder post-traumatische Belastungsstörungen (PTSD)
- Schlafstörungen
- Wiederkehrende Infektionen aufgrund eines geschwächten Immunsystems
- Organfunktionsstörungen, wie eingeschränkte Nieren- oder Lungenfunktion
- Chronische Schmerzen oder Gelenksteifheit
- Eingeschränkte Mobilität, falls Amputationen nötig waren
Die Genesung kann von Person zu Person unterschiedlich verlaufen, und einige Betroffene können anhaltende Komplikationen entwickeln, die eine fortlaufende medizinische Betreuung oder Rehabilitation erfordern. Eine frühzeitige Rehabilitation und Nachsorge können helfen, die langfristigen Behandlungsergebnisse zu verbessern.
Bringt das Swiss Sepsis Program zusätzliche Gesundheitsvorschriften?
Das Swiss Sepsis Program bringt keine zusätzlichen Gesundheitsvorschriften für die Bevölkerung. Es fokussiert auf Aufklärung der Öffentlichkeit, auf die Schulung von Gesundheitspersonal, auf die Entwicklung von Behandlungsstandards und auf die Förderung der Forschung. Ziel ist, Sepsis früh zu erkennen und besser zu behandeln. Bürger/-innen werden ermutigt, Symptome ernst zu nehmen und bei Verdacht sofort ärztliche Hilfe zu suchen.
Ist das Swiss Sepsis Program eine Folge der COVID-19-Massnahmen?
Nein, das Swiss Sepsis Program (SSP) ist nicht direkt eine Folge der COVID-19-Massnahmen. Es wurde initiiert, um die Prävention, Früherkennung und Behandlung von Sepsis in der Schweiz zu verbessern und basiert auf internationalen Empfehlungen der WHO und der Europäischen Sepsis-Strategie. Allerdings hat die COVID-19-Pandemie die Dringlichkeit unterstrichen, sich verstärkt mit Sepsis auseinanderzusetzen. Während der Pandemie wurden vermehrt Sepsis-Fälle im Zusammenhang mit COVID-19 beobachtet, was die Notwendigkeit einer besseren Sepsis-Versorgung und -Aufklärung verdeutlichte. Ebenso hat sich im Rahmen der COVID-19-Pandemie gezeigt, wie wertvoll die gute Vernetzung von öffentlicher Kommunikation, von Massnahmen in Spitälern und von Nachsorgen für Betroffene ist.
Wurde das Swiss Sepsis Program von Regierung und Parlament beschlossen?
Das Swiss Sepsis Program wurde nicht direkt von Regierung oder Parlament beschlossen. Es ist eine Initiative von Fachleuten aus Medizin, Forschung, Politik und Patientenvertretung, die auf WHO-Empfehlungen basiert. Das Programm wird von der Eidgenössischen Qualitätskommission (EQK), die beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) angesiedelt ist, unterstützt und beaufsichtigt und läuft von September 2023 bis Dezember 2028. Es ist eine von der EQK getragene Fachinitiative, aber kein direktes Gesetzesprojekt von Regierung oder Parlament.
Was ist das Ziel des World Sepsis Day/Welt-Sepsis-Tags?
Der World Sepsis Day/Welt-Sepsis-Tag jeweils im September soll das öffentliche Bewusstsein für Sepsis stärken, politische Entscheidungsträger/-innen sensibilisieren und medizinische Einrichtungen motivieren, ihre Standards zu verbessern. Ziel ist es, Leben durch Aufklärung, Prävention und rasche Behandlung zu retten. Weltweit arbeiten Regierungen, internationale Institutionen, Fachgesellschaften, NGOs und Firmen entlang dieses gemeinsamen Ziels zusammen, getragen durch die Koordination der Global Sepsis Alliance und die Impulse der WHO‑Resolution sowie regionaler Umsetzungsstrategien.