Über Sepsis
Infektionen gehören zum Leben – auch in der Schweiz. Meist heilen sie ohne Probleme. Manchmal jedoch entwickelt sich daraus eine Sepsis. Und daraus entsteht ein medizinischer Notfall.
Sepsis ist lebensbedrohlich. Die Erkrankung entsteht, wenn der Körper auf eine Infektion so stark reagiert, dass eigene Gewebe und Organe geschädigt werden. Sie kann sich schnell verschlechtern und ohne rasche Behandlung tödlich verlaufen.
Warum Sepsis uns alle betrifft
Sepsis kann jede und jeden treffen. Sie ist ebenso häufig wie Schlaganfall oder Herzinfarkt – und ebenso bedrohlich. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder und Personen mit geschwächter Immunabwehr.
Mehr Zahlen, Fakten und Hintergründe zu Sepsis in der Schweiz finden Sie im Swiss Sepsis Report.
Was bei Sepsis passiert
Bei einer Sepsis geraten Abwehr- und Entzündungsreaktionen ausser Kontrolle. Dadurch greift sich der Körper selbst an, und wichtige Organe können beeinträchtigt werden.
Anzeichen und Symptome
Am Anfang ist Sepsis oft schwer zu erkennen. Deshalb ist es wichtig, Warnzeichen ernst zu nehmen. Wenn Sie sich krank, ungewöhnlich schwach oder müde fühlen wie sonst nie, dann könnte es Sepsis sein. Das gleiche gilt, wenn Sie es bei einer Person in Ihrer Nähe beobachten.
Dann gilt: Schnell handeln! Und sich rasch Hilfe holen über die Notfallnummer oder eine Arztpraxis. So können Fachpersonen die Situation abklären und die richtige Behandlung einleiten.
Anzeichen einer Sepsis bei Erwachsenen
Eine Sepsis macht sich oft nicht durch ein einzelnes Symptom bemerkbar, sondern durch eine Kombination verschiedener Veränderungen. Hier die wichtigsten Veränderungen, die auf Sepsis hinweisen können:
Anzeichen einer Sepsis bei Kindern und Säuglingen
Eine Sepsis kann sich sehr schnell verschlimmern, vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen. Die frühen Symptome können sehr unterschiedlich sein, was eine frühzeitige Erkennung erschwert.
Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie oder Ihr Kind eine Infektion und eines dieser Symptome haben. Tun Sie das auch, wenn Sie sich Sorgen machen zum Beispiel deshalb, weil es Ihrem Kind nicht besser geht, nachdem es von einem Arzt oder einer Pflegefachperson untersucht worden ist. Die folgenden Veränderungen können auf Sepsis hinweisen:
Was eine Sepsis verursacht
Sepsis kann durch verschiedene Arten von Infektionen ausgelöst werden, darunter bakterielle, virale, pilzbedingte und parasitäre Infektionen. Die grosse Mehrheit der Infektionen, die zu einer Sepsis führen, wird ausserhalb von medizinischen Einrichtungen erworben. Zu den häufigsten Infektionsquellen zählen die Lunge, z. B. Lungenentzündung, die Harnwege, der Bauchraum und die Haut, aber auch Infektionen durch Verletzungen oder Operationswunden.
Wer ein erhöhtes Risiko für Sepsis hat
Sepsis kann jeden treffen, doch bestimmte Gruppen sind besonders gefährdet, darunter Neugeborene, Säuglinge, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Krebs sowie Nieren- oder Lebererkrankungen haben ein erhöhtes Risiko. Das gleiche gilt für Personen, die schwere Verbrennungen oder körperliche Verletzungen erlitten haben. Sepsis-Überlebende haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, erneut an Sepsis zu erkranken.
Gefährdete Personen sind u. a.:
- Ältere Erwachsene (65 Jahre und älter)
- Säuglinge und Kleinkinder
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem, z. B. Personen, die sich einer Chemotherapie unterziehen oder mit Krankheiten wie HIV/AIDS oder Autoimmunerkrankungen leben
- Patientinnen und Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Nierenerkrankungen oder Herzinsuffizienz
- Hospitalisierte Personen, insbesondere solche nach grossen chirurgischen Eingriffen, Kathetern oder mechanischen Beatmungsgeräten
- Menschen mit schweren Verletzungen, Verbrennungen, Traumata oder offenen Wunden
Wie Sepsis behandelt wird
Sepsis ist ein medizinischer Notfall und wird im Spital behandelt.
Die Behandlung umfasst in der Regel:
- Medikamente gegen die Infektion (z. B. Antibiotika)
- die Stabilisierung von Kreislauf und Atmung
- bei Bedarf eine Behandlung auf der Intensivstation
Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, sich zu erholen.
Genesung und Leben nach Sepsis
Für diejenigen, die eine Sepsis überleben, endet der Weg oft nicht mit der Entlassung aus dem Spital. Bis zu 50 Prozent der Sepsis-Überlebenden leiden an langfristigen, teils lebenslangen gesundheitlichen Folgen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- chronische Schmerzen
- Organfunktionsstörungen
- anhaltende Schwäche und Erschöpfung
- Gedächtnis- oder Konzentrationsprobleme
- körperliche Einschränkungen
- posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)
Post-ICU-Syndrom (PICS)
Das Post-ICU-Syndrom (PICS) bezieht sich auf eine Reihe von körperlichen, kognitiven und psychischen Gesundheitsproblemen, die Personen betreffen können, die einen Aufenthalt auf der Intensivstation (ICU) überlebt haben. Es kann sich als Folge einer kritischen Erkrankung und intensivmedizinischer Behandlung entwickeln und tritt häufig bei Überlebenden von Sepsis, COVID-19 oder anderen schweren Erkrankungen auf. Die wichtigsten Merkmale des PICS sind:
- Körperliche Symptome: Muskelschwäche, Müdigkeit, chronische Schmerzen und Mobilitätseinschränkungen
- Kognitive Symptome: Gedächtnistörungen und Konzentrationsschwierigkeiten
- Psychische Probleme: Angstzustände, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) und Schlafstörungen.
Die Behandlung des Post-Intensivpflege-Syndroms (PICS) erfordert einen multidisziplinären Ansatz (Rehabilitation, psychologische und/oder psychosoziale Unterstützung), um die vielfältigen Auswirkungen dieses Syndroms anzugehen und den Patientinnen und Patienten zu helfen, ihre Lebensqualität zurückzugewinnen.
Post-Sepsis-Syndrom
Das Post-Sepsis-Syndrom (PSS) betrifft bis zu 50 Prozent der Überlebenden einer Sepsis und kann chronische Müdigkeit, Schlafstörungen, anhaltende Schmerzen, eingeschränkte Organfunktionen, wiederkehrende Infektionen und kognitive Probleme wie Depression, Gedächtnisprobleme und eine verminderte emotionale Belastbarkeit umfassen.
Körperliche Auswirkungen
- Beeinträchtigte Herz-, Nieren- oder Leberfunktion
- Chronische Müdigkeit
- Atembeschwerden und Kurzatmigkeit
- Muskelschwäche und chronische Schmerzen
- Seh- und Sprachprobleme
- Schlechter Appetit
Psychologische Folgen
- Depressionen und Angstzustände
- Schlafstörungen, Albträume und Halluzinationen
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) und Flashbacks
- Beeinträchtigte kognitive Funktionen, Gedächtnis-/Konzentrationsstörungen
- Stimmungsschwankungen
Auch Angehörige sind oft stark belastet. Eine gute Nachsorge und Unterstützung sind deshalb wichtig, damit Betroffene wieder in den Alltag zurückfinden.
Sepsis erkennen und vorbeugen
Jeder und jede kann dazu beitragen, Sepsis zu verhindern oder sie genügend früh zu erkennen:
- Infektionen vorbeugen – zum Beispiel durch Hygiene und Impfungen
- Warnzeichen ernst nehmen
- bei Unsicherheit rasch medizinische Hilfe holen
So können schwere Verläufe verhindert und Leben gerettet werden.
Denk an Sepsis. Rette Leben.
Sepsis kann jeden und jede treffen. Jeder Beitrag zählt: Denken Sie bei ungewöhnlichen Beschwerden an Sepsis. Holen Sie sich rechtzeitig Hilfe. Und ermöglichen Sie so eine schnelle Behandlung.
So schützen und retten Sie Leben.